Presse / Aktuelles Artikel "Zwei Mönche aus Amdo Ngaba begehen Selbstmord" vom 08.04.2008 Zwei Mönche aus Amdo Ngaba begehen Selbstmord
Massive Proteste von Mönchen und Laientibetern im Bezirk Tawu
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Mönche und Laien, etwa eintausend an der Zahl, versammelten sich im
Kloster Nyatso im Bezirk Tawu (chin. Daofu), TAP Kardze, zu der jährlichen
Torkyak Gebetszeremonie. Noch während sie auf ihrem Weg zu dem Sitz der
Verwaltung des Bezirks Tawu waren, wurden vor allem die Laien von
bewaffneten Kräften aufgehalten, während man die Mönche weiterziehen ließ.
Die Laien begannen gegen diese Restriktion zu protestieren und riefen
Parolen wie „Mehr Menschenrechte für Tibet“, „lange lebe Seine Heiligkeit
der Dalai Lama“.
Daraufhin schossen die bewaffneten Milizen sofort in die Menge, wobei
viele Tibeter verletzt wurden. Eine ganze Reihe davon soll sich in
kritischem Zustand befinden. In dem örtlichen Bezirkskrankenhaus wurden
sie abgewiesen und mußten in ein größeres Krankenhaus außerdem der
Präfektur gebracht werden. Im Augenblick ist es nicht möglich, mehr über
die Zahl der Toten, der Festgenommenen und Verletzten in Erfahrung zu
bringen.
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Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P.,
India
Phone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org
Pressemitteilung, 4. April 2008
Zwei Mönche aus Amdo Ngaba begehen Selbstmord
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Entsprechend bestätigten Informationen, die das Tibetan Centre for Human
Rights and Democracy (TCHRD) erhalten hat, haben zwei Mönche aus Amdo
Ngaba (Provinz Sichuan) Selbstmord begangen. Ihre Verzweiflungstat ist
eine direkte Folge der unerbittlichen Niederschlagung einer Reihe
friedlicher Proteste durch die chinesischen Sicherheitskräfte.
Am 27. März 2008 nahm sich der Mönch Lobsang Jinpa aus dem Kloster Ngaba
Kirti das Leben. Er stammte aus dem Dorf Ngasib in Amdo Ngaba. In seinem
Abschiedsbrief schrieb er: "Die chinesische Regierung hat falsche
Beschuldigungen gegen die Mönche des Klosters Kirti erhoben. Sie
behauptet, die Mönche hätten Staatsgeheimnisse an das Ausland verraten,
Proteste organisiert und die Leichname von Tibetern, die von den
chinesischen Sicherheitskräfte erschossen wurden, bei sich aufbewahrt. All
diese Dinge habe ich jedoch ganz alleine gemacht, daher betreffen die von
der chinesischen Regierung erhobenen Anklagen alleine mich und niemanden
sonst im Kloster Kirti". Und weiter schrieb er: "Ich habe die friedvollen
Proteste angeführt und ich alleine bin verantwortlich für die Proteste".
Die letzte ergreifende Zeile des Abschiedsbriefs lautet: "Nicht eine
Minute länger möchte ich unter der Unterdrückung der Chinesen leben,
geschweige denn einen Tag."
Unter ähnlichen Umständen nahm sich ein Mönch namens Legtsok aus dem
Kloster Ngaba Gomang am 30. März 2008 das Leben. Der Verstorbene war 75
Jahre alt und stammte aus einem kleinen Dorf aus dem nördlichen Teil der
Präfektur Ngaba.
Quellen besagen, daß Legtsok einige Tage vor dem 30. März 2008 sich in
Begleitung von zwei anderen Mönchen zum Haus einer tibetischen Familie
begab, um dort ein Gebetsritual durchzuführen. Noch ehe er ankam, wurde er
von einem großen Trupp chinesischer Sicherheitskräfte aufgehalten, die zum
Kloster Ngaba Gomang fuhren, um die friedlich protestierenden Mönche des
Klosters zur Aufgabe zu zwingen. Die Sicherheitskräfte schlugen Legtsok
brutal zusammen und inhaftierten in für einige Tage. Sie ließen ihn später
wieder frei und schickten ihn zu seinem Kloster zurück.
Kurz bevor er seinem Leben ein Ende setzte, entsandte er zwei seiner
Schüler, um das anderen seiner Schüler und Verwandten gehörende Geld,
welches sie ihm zur Verwahrung gegeben hatten, zurückzubringen. Minuten
nach dem Aufbruch seiner Schüler beging er Selbstmord. Als diese
zurückkehrten, fanden sie ihn tot vor.
Er hatte wiederholt zu seinen Schülern gesagt, daß "er diese entsetzliche
Unterdrückung nicht länger ertragen kann". Diese Worte waren wie eine
Vorankündigung seines Todes.
Berichten zufolge wurde etwa um dieselbe Zeit, am 3. April 2008, ein Mönch
des Klosters Ngaba Namtso von chinesischen Sicherheitskräften zu Tode
geprügelt. Weitere Informationen zu diesem Todesfall konnten bisher leider
nicht ermittelt werden. Das TCHRD wird Aktualisierungen liefern, sobald
Details zu diesem Todesfall bekannt werden.
Nach der Lehre des tibetischen Buddhismus ist Selbstmord eine der
schwersten Sünden, die gegen zentrale Grundsätze der Lehre verstößt.
Buddhistische Mönche in Tibet sind für ihre Geduld und Widerstandskraft im
Angesicht großer Widrigkeiten bekannt. Diese Fälle von Selbstmord lenken
unsere Aufmerksamkeit darauf, daß die tibetischen Mönche im Angesicht der
Unterdrückung der chinesischen Behörden an die Grenzen ihrer Belastbarkeit
und in höchste Hilflosigkeit geraten sind.
Angesichts der traurigen Wendung der Ereignisse in Tibet appelliert das
TCHRD an die Weltgemeinschaft, umgehend Schritte zu unternehmen, um der
anhaltenden Unterdrückung der klösterlichen Gemeinschaften in Tibet ein
Ende zu setzen. Das Zentrum verurteilt Chinas brutales Vorgehen und die
Bedrohung der Existenz des tibetischen Buddhismus auf das Schärfste.
Neue Art des Widerstandes: Nonnen aus dem Bezirk Tawu halten
Gebetszeremonie für die Getöteten
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Durch die brutale Niederschlagung der seit dem 10. März anhaltenden
Proteste durch chinesische paramilitärische Truppen sind zahlreiche
Tibeter ums Leben gekommen. Um diese Toten zu betrauern, greifen Tibeter
nun trotz der anhaltenden strengen Restriktionen zu einer neuen
Protestform, sie veranstalten friedliche Solidaritäts- und Gebetsmärsche.
Wie das TCHRD aus zuverlässigen Quellen erfuhr, brachen am 2. April gegen
acht Uhr ca. 200 Nonnen des im Bezirk Tawu (chin. Daifu Xian), TAP Kardze,
Provinz Sichuan, gelegenen Klosters Ratroe zu einer friedlichen
Gebetsprozession auf. Sie wollten damit ihre Solidarität für die Getöteten
kundtun und für sie beten. Während die Nonnen auf die Bezirksverwaltung
zugingen, rezitierten sie ständig Gebete, z. B. für ein langes Leben des
Dalai Lama und das sogenannte "Dolma" (Gebet an Tara).
Die Sicherheitskräfte der bewaffneten Volkspolizei (PAP) und des Büros für
Öffentliche Sicherheit (PSB), die sofort zur Stelle waren, befahlen den
Nonnen, in ihr Kloster zurückzukehren oder sie würden sie gewaltsam
entfernen. Dennoch sprachen sie vor dem Sitz der Bezirksverwaltung einige
Gebete, ehe sich weggingen und ins Kloster zurückkehrten. Meldungen über
Festnahmen liegen bisher nicht vor,, allerdings berichten die Quellen von
einer starken Präsenz von PAP- und PSB-Kräfte während der friedlichen
Prozession.
Als Reaktion auf diese friedliche Gebetskundgebung der Nonnen des Klosters
Ratroe haben die bewaffneten Milizen dem Kloster nun strenge Restriktionen
auferlegt, außerdem wollen sie die Nonnen einer intensiven „patriotischen
Umerziehung“ unterziehen.
In der Gemeinde Holkha im Bezirk Tsigorthang hatten am 25.März mehrere
hundert Tibeter einen ähnliche Solidaritätsmarsch veranstaltet und vor der
Bezirksveraltung für die bei den Protesten Getöteten gebetet. Als Reaktion
hierauf nahmen die Kräfte der PAP und PSB am frühen Morgen des nächsten
Tages Razzien in tibetischen Häusern vor, bei denen sie drei Tibeter
willkürlich verhafteten. In den folgenden Tagen gab es weitere vier
Festnahmen. Der Verbleib dieser Personen ist immer noch ungeklärt.
Übersetzung: Irina Raba, Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
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* Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Dr. med. Ingfried Hobert
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