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Presse / Aktuelles

Artikel "Mindestens acht unschuldige Mönche im Kloster Tongkor in Kardze gestern erschossen" vom 07.04.2008

Am 3. April schossen die paramilitärischen Truppen in der Nähe des Klosters 
Tongkor in der TAP Kardze, Sichuan, auf demonstrierende Mönche und Laien,
laute Radio Free Asia wurden dabei 15 Tibeter erschossen, unzählige
verletzt, das TCHRD spricht von mindestens acht Toten, infolge der totalen
Nachrichtensperre ist es unmöglich, genaue Zahlen in Erfahrung zu bringen.
Die Übersetzung des Berichts von RFA, der weitere Einzelheiten nennt, steht
unter http://www.igfm-muenchen.de/tibet/RFA/2008/Tongkar15Tote_4.April.html.
Das Bild des erschossenen Mädchens Tse Yangkyi wurde von Phayul übernommen.

Wir möchten auf die neue Website des Tibetan Solidarity Committee hinwiesen,
das sich aus Mitgliedern der tibetischen Exilregierung und von Nicht-
regiersungsorganisationen zusammensetzt:
http://www.stoptibetcrisis.net/pr050408.html
Dort sind die Namen der Erschossenen aufgeführt.

Avaaz hat eine neue online-Petition, wo man seinem Staatsoberhaupt eine
Botschaft senden kann:
http://www.avaaz.org/de/tibet_report_back/13.php?cl=70469651

Briefverschlag an die UN-Menschenrechtskommissarin:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Aktion/BriefvorschlagMRRat.html
******************************************************************
Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P.,
Phone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org
Pressemitteilung, 5. April 2008

Mindestens acht Tibeter im Kloster Tongkor in Kardze erschossen
=========================================================================
Einer bestätigten dem TCHRD zugegangenen Information zufolge kamen
mindestens acht Personen ums Leben, als am 3. April 2008 Milizen der
bewaffneten Volkspolizei (PAP) und Polizisten des Büros für Öffentliche
Sicherheit (PSB) mit scharfer Munition auf demonstrierende Mönche und andere
Tibeter schossen. Zu dem Protest kam es, als die Mönche des Klosters Tongkor
(chin. Donggu) in der Gemeinde Zithang, Bezirk Kardze, Tibetisch-Autonome
Präfektur Kardze, Provinz Sichuan, die Freilassung von zwei Mönchen
forderten, die wegen ihres Widerstandes gegen die Maßnahmen zur
„patriotischen Umerziehung“ am Vortag festgenommen worden waren. Es wird
berichtet, daß im dem Feuer der Polizei Dutzende von Tibetern verletzt
wurden. Es kam auch zu zahlreichen Festnahmen.
Das offizielle Sprachrohr der Regierung, Xinhua, erwähnte zwar den Vorfall,
bezeichnete ihn aber als „Krawall“ und sprach nur von der Verletzung eines
Regierungsbeamten, nicht aber über die vielen Toten, Festnahmen und
Verletzungen bei den tibetischen Demonstranten.

Einer zuverlässigen Quelle zufolge brach der Protest in dem Kloster Tongkor
in der Gemeinde Zithang, Bezirk Kardze, am 2. April aus, als ein sogenanntes
Arbeitsteam der Regierung anrückte, um die „patriotische Erziehung“
durchzuführen. Dabei handelt es sich um Sitzungen zur politischen
Indoktrination, bei denen die Mönche aufgefordert werden, den Dalai Lama zu
verleumden und sich von den derzeitig an vielen Orten stattfindenden
Protesten zu distanzieren. Der Oberlama des Klosters Tongkor, Lobsang
Jamyang, verweigerte dem Arbeitsteam seine Kooperation. Der Mönch Yeshi
Nyima wandte sich offen gegen die Kampagne, andere Mönche taten es ihm
gleich, sie weigerten sich dem Arbeitsteam Folge zu leisten und sagten: „Wir
können den Dalai Lama einfach nicht kritisieren, und sollte es uns das Leben
kosten“. Am folgenden Tag kehrten die Kader des Arbeitsteams ins Kloster
zurück und brachten Hunderte von PAP und PSB-Kräften mit, welche die Zimmer
der Mönche auf der Jagd nach Dalai Lama Bildern durchwühlten; sie
konfiszierten auch Bilder des früheren Oberlamas des Klosters, Tongkor
Shabdrung, Mobiltelefone und andere Gegenstände. Augenzeugen zufolge nahm
das Personal von PAP und PSB einen etwa 70jährigen Mönch namens Geshe
Tsultrim Tenzin und einen 26jährigen Laien Tsultrim Phuntsok fest.

Daraufhin machte sich die über 300 Köpfe zählende Mönchsgemeinschaft in
Richtung der Bezirksverwaltung auf den Weg, um die Freilassung der beiden zu
fordern. Hunderte von Tibetern schlossen sich ihnen unterwegs an.
Schließlich zerstreuten sie sich auf die Zusage der Beamten hin, daß die
beiden um 8 Uhr abends freigelassen würden, aber als sie merkten, daß das
Versprechen nicht eingehalten wurde, kehrten sie zurück. Da wurden sie von
einem großen Aufgebot an PAP- und PSB-Polizisten aufgehalten; es kam zu
einem Handgemenge zwischen den Polizeikräften und den Protestierenden,
woraufhin letztere in die Menge schossen und mindestens acht Personen
töteten und Dutzende anderer verletzten.

Einige der Erschossenen wurden von den Quellen identifiziert als: Zangden,
ein 27jähriger Mönch aus dem Dorf Tsangyoe, Phurbu Delek, 30, Tseyang Kyi,
23, eine junge Frau, Druklo Tso, 34, eine Frau aus dem Dorf Gugra, Tenlo,
32, eine Frau aus dem Dorf Gugra; die Identität der übrigen konnte nicht
festgestellt werden. Drei Mönche aus dem Kloster Tongkar, Nyima, Kalpo
(alias Kabhuk) und Thupten Gelek, ursprünglich aus dem Dorf Sheru, befinden
sich infolge der Schußverletzungen in kritischem Zustand. Andere Berichte
sprachen vom Tod von mindestens 8 Tibetern, außerdem wird der Zuchtmeister
des Klosters, Tsewang Rinzin, vermißt.

In den letzten Wochen haben die chinesischen Behörden ihre
Verleumdungskampagne gegen den Dalai Lama mit bösartigen Redensarten
beständig verschärft, um die Tibeter zur Aufgabe der Loyalität ihm gegenüber
zu bringen. Die Wiederaufnahme der „patriotischen Erziehung“ in den
monastischen Institutionen soll genau diesem Zweck dienen.

Ebenso geschah es im August 2007: Nachdem der 52jährige Nomade Ronggye Adrak
bei dem jährlichen Pferderennen-Fest in Lithang als Einzelner friedlich
protestiert hatte, wurde die „patriotische Erziehung“, mit der die Tibeter
dem Dalai Lama entfremdet werden sollen, in dem gesamten Bezirk von Lithang
intensiviert. Es kam zu etlichen Fällen willkürlicher Festnahmen von
Tibetern, die sich der Kampagne mutig widersetzten.

Das TCHRD verurteilt auf das Schärfste die brutale Gewaltanwendung der
chinesischen Sicherheitskräfte gegen friedliche tibetische Demonstranten. Es
ruft die Regierung der VR China auf, alle Tibeter freizulassen, die
verhaftet wurden, nur weil sie ihre grundlegenden Menschenrechte wahrnahmen,
die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der chinesischen
Verfassung und vielen anderen internationalen Verträgen niedergelegt sind,
denen China beitrat. Das Zentrum ruft die VR China weiterhin auf, die
Kampagne zur „patriotischen Erziehung“ in allen religiösen Einrichtungen
Tibets sofort einzustellen. Die Regierung sollte sicherstellen, daß die
Festgenommenen keiner Mißhandlung und Folter unterzogen werden, wie sie in
den von China betriebenen Haftzentren und Gefängnissen in ganz Tibet gang
und gäbe ist.

Dr. med. Ingfried Hobert

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