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Presse / Aktuelles

Artikel "Mönche vor dem Jokhang-Tempel führen chinesische Propaganda ad absurdum" vom 03.04.2008


Der UN-Menschenrechtsrat fährt fort Tibet zu ignorieren. Man sollte sich 
nun an die UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour wenden und sie
auffordern, angesichts des in Tibet vor sich gehenden Völkermords umgehend
eine Erkundungsdelegation in alle von Tibetern bewohnten Gebiete zu
entsenden. In ihrer Erklärung vom 14. März bezog sie sich nur auf die
Autonome Region Tibet (TAR) und nicht auf das ganze tibetische
Siedlungsgebiet. Ihre email Adresse ist: larbour@ohchr.org oder
ccanessa@ohchr.org.

Eine Petition des Vereins der Tibeter in Deutschland steht zum Download:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Aktion/Petition_VdT.pdf
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Mehrere Hundert Tibeter gingen gestern Nachmittag auf die Straße, nachdem
Polizeitruppen das tibetische Stadtviertel um den Ramoche und Jokhang
Tempel, wo die Proteste am 14. März ausbrachen, besetzten und die Identität
aller Einwohner zu überprüfen. Die Menschen wurden von Furcht und Panik
ergriffen und rannten in alle Richtungen davon. Genaueres ist noch nicht
bekannt...

www.phayul.com, 28.3.08
Mönche vor dem Jokhang-Tempel führen chinesische Propaganda ad absurdum
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Überall auf der Welt wurden die Bilder von einigen mutigen Mönchen gezeigt,
die sich vor dem Jokhang-Tempel den von Peking zu einer streng überwachten
Pressereise nach Lhasa eingeladenen Journalisten näherten und dabei laut
und teilweise unter Tränen Freiheit für Tibet forderten und ihre Loyalität
für den Dalai Lama bekundeten. Mit ihrem friedlichen Protest haben diese
Mönche das Vorhaben der chinesischen Regierung sabotiert, die der Welt
vorspiegeln wollte, sie hätte die Lage in der tibetischen Hauptstadt nach
den angeblich vom Dalai Lama ausgelösten Unruhen unter Kontrolle gebracht.
Den Pressevertretern wurde versichert, die Mönche hätten keine Konsequenzen
für ihre Protestaktion zu befürchten. Zweifel an diesen Versprechungen sind
angebracht; und tatsächlich besteht Anlaß zur Sorge um das Schicksal dieser
Mönche.

Das Areal um den Jokhang-Tempel wurde nach dem Vorfall abgesperrt und auch
alle drei großen Gelugpa-Klöster in und um Lhasa - Sera, Ganden und Drepung
- sind weiterhin abgeriegelt. Der Ramoche-Tempel wurde den Journalisten
nicht zugänglich gemacht, obwohl sie mehrmals darum gebeten hatten.
Informationen aus der Stadt zufolge wurden Mönche aus Sera mit Waffengewalt
am Verlassen des Klosters gehindert. Aus zuverlässigen Quellen verlautet,
daß die großen Klöster von der Wasser- und Nahrungszufuhr abgeschnitten
sind und der Bevölkerung nicht gestattet wird, die Mönche mit dem Nötigsten
zu versorgen.

In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Berichte über
Massenverhaftungen in Lhasa und in den tibetischen Gebieten in den
chinesischen Provinzen Sichuan, Qinghai und Gansu. Bei vielen Verhafteten
soll es sich um ehemalige politische Gefangene und um Tibeter handeln, die
im indischen Exil eine schulische Ausbildung genossen haben. Jemand, der
der Mönchsgemeinschaft nahesteht, gab an, es bestehe große Sorge um die
Inhaftierten, denn sie werden entsetzlich geschlagen und müssen Durst und
Hunger leiden. Beobachter fühlten sich vom Vorgehen der Sicherheitskräfte
an die Kulturrevolution erinnert. Genau wie damals werden Häuser nach Fotos
des Dalai Lama durchwühlt, Tibeter werden willkürlich verhaftet und mit
vorgehaltener Waffe abgeführt.

Ein Augenzeuge berichtet, eine von bewaffneten Sicherheitskräften bewachte
Gruppe von mehreren hundert Tibetern sei mit dem Zug weggebracht worden.
Unter ihnen hätten sich zahlreiche Mönche befunden, viele davon ohne
Schuhe. Zeugenberichten zufolge werden massenhaft Tibeter auf Lastwagen
gepfercht und aus der Stadt geschafft. Das löst bei vielen älteren Tibetern
große Furcht aus, denn sie können sich noch gut an die Säuberungsaktionen
von 1959 erinnern. Noch lange nach dem Volksaufstand wurden Tibeter in
Arbeitslager und Gefängnisse in die benachbarten chinesischen Provinzen
verschleppt. Von vielen hat man nie wieder etwas gehört. Auch jetzt gibt es
wieder viele Familien, die nicht wissen, wo ihre Angehörigen hingebracht
wurden oder wie lange sie inhaftiert bleiben.

Die ausländischen Journalisten, die im Rahmen der vom chinesischen
Außenministerium organisierten Pressereise Lhasa besuchten, erkundigten
sich während der eineinhalbstündigen Pressekonferenz gestern Abend nach den
Mönchen vom Jokhang, die so tapfer ihre Meinung geäußert hatten. Ein
Journalist von Associated Press zitierte später den tibetischstämmigen
Vizegouverneur der TAR: "Ihnen wird nichts angetan. Wir werden keinen
derjenigen, die Sie auf den Straßen von Lhasa getroffen haben, verhaften.
Ich glaube nicht, daß irgend eine Regierung so etwas tun würde". Die
Journalisten forderten die anwesenden chinesischen Funktionäre ferner auf,
Beweise für ihre Behauptung zu erbringen, der Dalai Lama habe die Unruhen
„angezettelt“.

Bei ihrem siebzehnminütigen Protest vor dem Jokhang-Tempel haben die Mönche
deutlich gemacht, daß der Dalai Lama nichts mit den Ereignissen in Lhasa zu
tun hat. Das berichteten Journalisten, die Zeuge der Aktion wurden. Einer
der Mönche sagte: "Sie verlangen, daß wir den Dalai Lama verfluchen sollen,
und das ist nicht richtig". Ein anderer brach in Tränen aus und wieder
andere sagten den Journalisten, sie wüßten, daß man sie verhaften würde und
sie seien bereit, die Folgen zu tragen.

Immer wieder hört man aus Quellen, die sich noch vor kurzem in Lhasa
befanden, wie unglücklich die Tibeter über die Vorwürfe der Chinesen seien,
der Dalai Lama habe die gewalttätigen Unruhen angestiftet. Ein westlicher
Ausländer, der in den vergangenen Wochen mit vielen Tibetern in Lhasa
gesprochen hat, sagte: "Keiner von ihnen glaubt das. Sie können auch mit
der Unterscheidung zwischen weltlicher und geistlicher Funktion des Dalai
Lama nichts anfangen, die von Politikern im Westen getroffen wird. Für sie
ist er ihr Oberhaupt, und das ist alles."

Dieselbe Quelle bestätigte auch Berichte über systematische
Hausdurchsuchungen in allen tibetischen Stadtvierteln: "Oft holen sie die
Leute mitten in der Nacht aus ihren Häusern. Das Militär und die Bewaffnete
Volkspolizei konzentrieren sich besonders auf Tibeter, von denen sie
wissen, daß sie in Indien zur Schule gegangen sind und dort Englisch
gelernt haben. Ich habe selbst gesehen, wie sie Verhaftete lastwagenweise
weggeschafft haben. Freunde von mir bezeugen, daß den Menschen bei der
Festnahme Schußwaffen an den Kopf gehalten wurden."

Aus einigen Quellen verlautet auch, wie unglücklich viele Tibeter über die
Gewalt seien, die einige von ihnen bei den Unruhen vom 14. März gegen
Chinesen und deren Eigentum ausgeübt haben. Es sei äußerst bedauerlich, daß
Tibeter in Lhasa zur Gewalt gegriffen hätten. Man könne daran sehen, wie
verzweifelt die Tibeter in Tibet seien. Einige sähen keine andere
Alternative mehr und das sei dumm von ihnen. Ohne jeden Zweifel müßten
tibetische Mörder und Randalierer gemäß dem Gesetz bestraft werden, aber
die vermutlich in die Hunderte oder gar Tausende gehenden Tibeter, die
festgenommen wurden, sollten nicht wie gewalttätige Kriminelle behandelt
werden.

Mittlerweile wurde bekannt, daß China im Westen lebende Tibeter daran zu
hindern versucht ihre Meinung zu äußern, indem es ihre in Tibet lebenden
Angehörigen unter Druck setzt. Wie ein vertrauenswürdiger Exiltibeter
angab, haben die Behörden in Amdo Familien, die Verwandte im Ausland haben,
gewarnt, sie hätten die Konsequenzen zu tragen, wenn diese sich an
friedlichen Demonstrationen beteiligten.

In den staatlichen chinesischen Medien wird verbreitet, 280 Tibeter in
Lhasa hätten sich "freiwillig" der Polizei gestellt und 381 weitere in
Sichuan. Die amtliche Zeitung Tibet Daily berichtete in ihrer Ausgabe vom
25. März zum ersten Mal über die Festnahme von friedlichen Demonstranten.
In dem Artikel heißt es, in Lhasa seien Tibeter verhaftet worden, weil sie
"reaktionäre Parolen" gerufen und die tibetische Fahne geschwenkt hätten.
Im Gegensatz dazu war in den vergangenen Tagen immer nur die Rede von
Festnahmen wegen Brandstiftung, Plünderung oder Gewalttaten.

Ein Journalist, der an der Pressereise teilnahm, sagte gestern: "Alles, was
man uns zeigte, sollte die offizielle Version der Ereignisse untermauern,
welche die chinesischen Behörden gezimmert haben. Wir sind mit offenen
Augen hierhergekommen. Wir wissen, daß sie uns dazu benutzen wollten, um
eine bestimmte Darstellung der Vorgänge zu verbreiten." Gestern
konzentrierte sich die Berichterstattung im Westen jedoch auf die
Protestaktion der Mönche des Jokhang, auf ihre Aussagen zugunsten des Dalai
Lama und ihre Beschwerden über die religiöse Unterdrückung.

Den Protest der Mönche des Jokhangs kann man auf dem Video bei YouTube
verfolgen: http://www.youtube.com/watch?v=Mhv0ubToreE

Adaptierte Übersetzung: Irina Raba, Revision: Adelheid Dönges
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* Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
* Arbeitsgruppe München
* Adelheid Dönges, Packenreiterstr. 18, 81247 München
* Tel (+49 89) 811 35 74 oder 0177-8178800 (Michael Filsinger)
* tibet@igfm-muenchen.de, www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html
* Spendenmöglichkeit: IGFM München,
* Kto 158393803, Postbank München, BLZ 700 100 80
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Dr. med. Ingfried Hobert

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