Presse / Aktuelles Artikel "Neue Erkenntnisse aus der Akupunkturforschung und der TCM" vom 19.12.2008
Akupunktur bei posttraumatischer Belastungsstörung und Burning out
Eine Pilotstudie hat gezeigt, dass die Behandlungserfolge bei
posttraumatischer Belastungsstörung PTBS mit Akupunktur ähnlich
groß waren wie mit kognitiver Verhaltenstherapie und die Linderung
der Symptome bei beiden Behandlungsmethoden auch nach drei Monaten
noch anhielt. (Acupuncture for posttraumatic stress disorder: a
randomized controlled pilot trial, J Nerv Ment Dis, Juni 2007, 195
(6), 504-13).
Untersuchung über Akupunktur bei Schmerzen im Bewegungsapparat
Die Auswertung von 5981 Fallgeschichten einer spanischen
Erstversorgungsklinik hat gezeigt, dass Akupunktur bei Schmerzen des
Bewegungsapparats wirksam ist, keine Nebenwirkungen hervorruft und
die Einnahme von Analgetika und entzündungshemmenden Mitteln
erheblich reduzieren hilft. (Effectiveness of acupuncture and related
techniques in treating nononcological pain in primary healthcare - an
audit, Acupunct Med, Juni 2007, 25 (1), 41-46).
Der erste Eindruck zählt
Eine englische Studie hat sich mit der Bedeutung befasst, die
Patienten in komplementärmedizinischen Praxen atmosphärischen und
sozialen Faktoren beimessen. Dazu wurden Patienten von 37
komplementärmedizinischen Praxen befragt. Deren Aussagen zufolge
spielten der erste Eindruck bei der telefonischen Anmeldung, das
Äußere des Therapeuten und die ausliegende Literatur zum Thema eine
wichtige Rolle hinsichtlich des ersten Eindrucks und des daraus
resultierenden Vertrauens in die Praxis. Die Vorlieben der Patienten
hinsichtlich der Kleidung des Therapeuten waren sehr unterschiedlich.
Insgesamt gaben 65 % der Patienten einem weißen Kittel den Vorzug
gegenüber normaler Kleidung, was jedoch nur in zwei von neun
geographischen Regionen und bei Patienten über 70 statistisch
signifikant war. (First impressions in complementary practice: the
importance of environment, dress and address to the therapeutic
relationship. Complement Ther Clin Pract, Mai 2007, 13 (2), 102 -
109).
Deqi stärker bei Heroinabhängigen
Die Einnahme von Heroin führt zu dauerhaften Veränderungen im
Hypothalamus, der eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der durch
Akupunktur ausgelösten deqi-Wahrnehmung spielt. Eine chinesische
Studie hat mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) die
Aktivierung des Hypothalamus durch Akupunktur von gesunden
Versuchspersonen und Heroinabhängigen miteinander verglichen. Bei
den Heroinabhängigen wurde der Hypothalamus stärker aktiviert und
die deqi-Werte waren signifikant höher. (Activation of the
hypothalamus characterizes the response to acupuncture stimulation in
heroin addicts, Neurosci Lett, 29. Juni 2007, 421 (3), 203-8).
Deqi verhindert nicht die Penetration des Nervs
Eine österreichische Studie hat mithilfe von Ultraschall-Bildgebung
den Abstand zwischen Nadelspitze und Medianus untersucht, wenn
Pc6/KS6 (neiguan) akupunktiert wird. Dabei sollte die Hypothese
untersucht werden, dass deqi ausgelöst wird, wenn die Nadel mit
epineurialem Gewebe in Berührung kommt, und somit eine Penetration
des Nervs verhindert. Allerdings konnte die Studie keinen derartigen
Zusammenhang feststellen. Eine Nachuntersuchung nach einer Woche
ergab, dass trotz der relativ hohen Anzahl von Nervpenetrationen kein
Risiko neurologischer Folgeerscheinungen zu bestehen scheint.
(Ultrasound measurements of the distance between acupuncture needle
Tipp at P6 and the median nerve, J Altern Complement Med, Juni 2007,
13 (5), 585-91).
Nadelmanipulation hat zelluläre Konsequenzen
Amerikanische Forscher setzten subkutane Gewebeproben von Mäusen
einem unterschiedlichen Maß an bidirektionaler Nadelrotation aus,
bevor sie diese mittels konfokaler Mikroskopie untersuchten.
Fibroblastzellen reagierten auf bidirektionale Rotation mit
morphologischen Veränderungen, die von der Dosierung abhängig
waren. Einige dieser Veränderungen waren die gleichen, wie sie zuvor
bei unidirektionaler Nadelrotation beobachtet worden waren
(Zellausbreitung und Bildung von Lamellipodia), wohingegen andere
ausschließlich bei bidirektionaler Stimulation auftraten.
(Connective tissue fibroblast response to acupuncture: dose-dependent
effect of bidirectional needle rotation. J Altern Complement Med,
April 2007, 13 (3), 355-60).
Chinesisches Pflanzenextrakt beugt polyzystischen Nieren vor
Triptolid, ein Kombinationspräparat, das aus der chinesischen
Heilpflanze Leigong teng (Tripterygii wilfordii Radix) gewonnen wird,
wirkt bei Mäusen mit einer polyzystischen Nierenerkrankung der
Bildung von nierenzersetzenden Zysten entgegen. Forscher der Yale
University fanden heraus, dass das Mittel zelluläre Calcium-Signale
wiederherstellt, die durch die Krankheit gestört werden und zu
abnormem Zellwachstum führen. (Triptolide is a traditional Chinese
medicine-derived inhibitor of polycystic Kidney disease, Proc Natl
Acad Sci USA, 13. März 2007, 104 (11), 4389-94).
Ginseng lindert Müdigkeit bei Krebserkrankungen
Eine amerikanische Pilotstudie hat gezeigt, dass Ginseng die
Ermüdungserscheinungen von Krebspatienten lindern kann. Nach acht
Wochen berichteten 25 % der Patienten, die 1000 mg amerikanischen
Ginseng (Panax quinquefolius), und 27 % der Patienten, die 2000 mg
genommen hatten, dass sie sich „besser" oder „viel besser"
fühlten, während dies in der Placebo-Gruppe und bei den Patienten,
die 750 mg Ginseng erhalten hatten, nur bei 10 % der Fall war.
(American Society of Clinical Oncology 43rd Annual Meeting, Abstract
9001).
Pflanzliche chinesische Arzneien gegen Schilddrüsenüberfunktion
Eine Metastudie hat sich mit der Wirkung pflanzlicher chinesischer
Arzneien bei der Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion befasst.
Dazu wurden 13 westliche und chinesische Studien ausgewertet, deren
methodologische Qualität grundsätzlich als niedrig beurteilt wurde.
Im Vergleich mit der alleinigen Gabe antithyreoider Medikamente war
die zusätzliche Behandlung mit chinesischer Medizin mit Vorteilen
verbunden. Die Rezidivrate war niedriger, es traten weniger
Nebenwirkungen auf, die Symptome wurden abgeschwächt und
Schilddrüsenantikörperstatus sowie Schilddrüsenfunktion wurden
verbessert. (Chinese herbal medicines for hyperthyroidism, Cochrane
Database Syst Rev, 18. April 2007, (2), CD005450).
Taiji und Hydrotherapie gegen Gelenksarthrose
Eine australische Studie hat gezeigt, dass Taiji und Hydrotherapie
bei alten Menschen mit chronischer Hüft- oder Kniegelenksarthrose zu
signifikanten und anhaltenden Verbesserungen der körperlichen
Funktionstüchtigkeit führen können. (Physical activity for
osteoarthritis management: a randomized controlled clinical trial
evaluating hydrotherapy or Tai Chi classes, Arthritis Rheum, 15.
April 2007, 57 (3), 407-14).
Chinesischer Gesundheitsminister verteidigt traditionelle chinesische
Medizin
Die im Internet verbreitete Forderung von Zhang Gongyao, eines
Professors der Central South University, in Krankenhäusern keine
traditionelle chinesische Medizin mehr anzuwenden, hat in ganz China
eine hitzige Debatte ausgelöst und das Gesundheitsministerium
veranlasst, sich mit Nachdruck vor die traditionelle chinesische
Medizin zu stellen. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte: „TCM
ist eine unverzichtbarer und wichtiger Bestandteil des chinesischen
Gesundheitswesens." Zahlreiche erboste Gegner äußerten sich
dahingehend, Zhangs Vorschläge „ignorierten die Geschichte und
könnten die chinesische Kultur zerstören". (www.chinaview.cn,
17.10.2007)
Coca Cola und TCM
Um der wachsenden Nachfrage nach gesünderen Getränken Rechung zu
tragen, eröffnet die Coca Cola Company an der China Academy of
Chinese Medical Sciences in Beijing ein Forschungszentrum, in dem der
Konzern untersuchen lassen will, wie die traditionelle chinesische
Medizin zur Entwicklung von gesünderen und zum allgemeinen
Wohlbefinden beitragenden Getränken genutzt werden kann.
(www.nzz.ch, Neue Züricher Zeitung, 17. Oktober 2007). Dr. med. Ingfried Hobert
|