Presse / Aktuelles Artikel "Radio free asia: Verwandte der kürzlich verurteilten tibetischen Nomaden beantragen Berufung " vom 09.12.2007
Radio Free Asia (RFA), www.rfa.org, 5. Dezember 2007
Verwandte der kürzlich verurteilten tibetischen Nomaden beantragen Berufung
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Die Angehörigen der vier Nomaden, die zu Strafen bis zu zehn Jahren verurteilt
wurden, nachdem einer von ihnen öffentlich die Rückkehr des Dalai Lama
gefordert hatte, haben bei einer höheren Gerichtsinstanz der
südwestchinesischen Provinz Sichuan um Berufung ersucht.
„Bei dem Gericht gingen sowohl mündliche als auch schriftliche Anträge ein“,
sagte ein Beamter des Obersten Volksgerichtshofs in der Provinzhauptstadt
Chengdu auf eine Anfrage von RFA. „Das Gericht wird seine Entscheidung in
dieser Sache zu gegebener Zeit bekanntgeben. Man sollte Vertrauen zur
chinesischen Justiz haben“, fügte er hinzu.
Wie aus der Region zu erfahren war, fuhren zuerst Adruk Gyatso und Chaktsa
Lobsang nach Chengdu, um dort Berufung einzulegen. Auf die Aufforderung des
Gerichts hin begaben sich auch Sonam Dolma, die Ehefrau von Ronggyal Adrak, und
Tsewang Dolma, die Mutter von Adruk Lopo, nach Chengdu.
Alle Mitglieder der Nomadengemeinschaft von Ronggyal Adrak unterschrieben einen
Appell, in dem sie um Gerechtigkeit für ihn baten. Damit entsandten sie Samten
und Lobsang Norbu als ihre Vertreter nach Chengdu.
„Dieses Dokument wurde von allen Einwohnern des Dorfs Khashur unterschrieben
und dem Obersten Gerichtshof vorgelegt“, erfuhren wir aus unserer Quelle.
Ronggyal Adrak war von dem Mittleren Volksgerichtshof von Kardze in Dartsedo
(chin. Kangding) wegen „Spaltung des Landes“ und Untergrabung der staatlichen
Autorität zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Adruk Lopo und Jamyang Khunkyen wurden zu zehn bzw. neun Jahren Gefängnis
verurteilt, weil sie Bilder des Geschehens Organisationen im Ausland zukommen
hatten lassen. Ein weiterer Tibeter namens Lothok wurde zu drei Jahren
verurteilt, weil er ausländischen Organisationen Informationen übermittelt
hatte.
Aus einer Quelle in Kangding verlautete: „Nach der Urteilsverkündung bat der zu
zehn Jahren Haft verurteilte Adruk Lopo darum, gegen die Entscheidung des
Gerichts Einspruch erheben zu dürfen, was ihm jedoch verwehrt wurde. Statt
dessen entfernte die Polizei ihn gewaltsam aus dem Gerichtssaal. Die
Angehörigen der Verurteilten hatten ursprünglich versucht, das Urteil direkt
beim Mittleren Volksgerichtshof anzufechten, was jedoch nicht zugelassen
wurde“.
Wie von Augenzeugen berichtet wurde, erhoben alle vier Männer - Ronggyal Adrak,
Adruk Lopo, Jamyang Khunkyen und Lothok - Protest, als ihre Urteile bei Gericht
verlesen wurden, woraufhin Sicherheitskräfte sie aus dem Gerichtssaal
schafften. „Das ist kein fairer Prozeß“, riefen sie. „Wir akzeptieren dieses
Urteil nicht.“
Beamte am Obersten Gerichtshof in Chengdu verwehrten den Bittstellern zuerst,
Berufung einzulegen. „Als diese jedoch einen an die Regierung in Peking und die
Provinzbehörden gerichteten Gemeinschaftsappell der Tibeter von Lithang
vorlegten, zeigte der Gerichtshof etwas Interesse“, heißt es aus unserer
Quelle.
Die Verwandten erhielten eine offizielle Bestätigung für die Einreichung ihres
Antrags, was bedeutet, daß das Gericht verpflichtet ist, den Fall anzuhören,
und die Antragsteller auch einen Rechtsanwalt beiziehen können.
Ronggyal Adrak wurde, nachdem er am 1. August während des jährlichen
Pferderennenfestes in Lithang die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet gefordert
hatte, verhaftet und der Staatsgefährdung angeklagt. Er gehört zur
Nomadengemeinschaft von Yunru in diesem hauptsächlich von Tibetern bewohnten
Hochland um Lithang in Sichuan.
Auf diesen Vorfall am 1. August und die Verhaftung Ronggyal Adraks hin strömten
zahlreiche Nomaden vor den Polizei- und Regierungsgebäuden in Lithang zusammen.
Als die Spannung wuchs, drohte die Polizei, auf sie zu schießen. Schließlich
gelang es den dortigen Behörden, die Nomaden zu beruhigen. Kurz darauf wurden
jedoch Tausende von Soldaten nach Lithang entsandt, und tibetische
kommunistische Parteikader wurden durch Han-Chinesen ersetzt.
Bei der Gerichtsverhandlung im Oktober erklärte der Richter Ronggyal Adrak,
sein Verbrechen sei „sehr schwer“, außerdem sei er auch verantwortlich für die
auf seine Tat folgenden Massenproteste, als Hunderte von Nomaden vor den
Regierungs- und Polizeigebäuden seine Freilassung forderten.
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Fertige Appellbriefe zu den Verurteilten gibt es als pdf-Dateien unter:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ftc/2007/Protestbriefe.html
Mitteilung des TCHRD über die Urteile, Bilder der Nomaden:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2007/RongyeAdrak_8Jahre.html
Fertige an 12 Adressen gerichtete Appellpostkarten zu Rongye Adrak und Adruk
Lopo:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Aktion/Appellpostkarten.html
Dr. med. Ingfried Hobert
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