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Internationale Gesellschaft für chinesische Medizin
Praxis Dr. med. Ingfried Hobert

Presse / Aktuelles

Artikel "Akupunktur Aktuell" vom 01.12.2007


München, 26. November 2004

Positive Effekte von Taiji

26. September 2004

Die Auswertung von 47 auf Englisch und Chinesisch veröffentlichten Studien hat gezeigt, dass sich Taiji auf Gleichgewichtssinn, Standfestigkeit, kardiovaskuläre und respiratorische Funktionen, Beweglichkeit, Immunsystem, Arthritis-Symptome, Muskelkraft und psychisches Wohlbefinden positiv auswirkt. Unter anderem ging aus verschiedenen Studien hervor, dass die Verbesserung des Gleichgewichtssinns zu einer Verringerung der Sturzhäufigkeit bei älteren Menschen führt.

(Arch Intern Med 2004; 164, 493-501)

TCM bei Allergischer Rhinitis

31. August 2004

Die Studie zur Wirksamkeit der TCM bei Allergischer Rhinitis von B. Brinkhaus et al. ist in ALLERGY (2004:59:953-960) als "ogrinal article" erschienen ist.

Die PDF-Version des Artikels kann von unserer Homepage heruntergeladen werden:
TCMAllergicRhinitis

 

Akupunktur bei chronischen Kopfschmerzen

30. August 2004

Eine Studie mit 401 an Kopfschmerzen leidenden Patienten hat ergeben, dass bei den Patienten, die über drei Monate hinweg zwölf individuell abgestimmte Akupunkturbehandlungen erhielten, zwölf Monate nach Beginn der Behandlung die Kopfschmerz-Werte um 34 % zurückgingen (im Gegensatz zu 16 % in der Kontrollgruppe, die mit gängigen Methoden behandelt wurde). Die Akupunkturpatienten nahmen 15 % weniger Medikamente, suchten 25 % weniger häufig einen Arzt auf und mussten 15 % Tage weniger der Arbeit fernbleiben.

(BMJ, doi:10.1136/bmj.38029.421863, 15. März 2004)

Klinik für daoistische Medizin in Beijing

30. August 2004

In Beijing wurde im Weiße-Wolke-Tempel, dem einzigen noch bestehenden daoistischen Tempel in der chinesischen Hauptstadt, die erste daoistische Klinik eröffnet. Drei Daoisten und zehn chinesische Arzneimittel-Experten werden die Patienten mit traditionellen pflanzlichen Mitteln, daoistischen Methoden und Akupunktur behandeln.

(Journal of Chinese Medicine, Nr. 75, Juni 2004)


Neu !!!
******* Stellungnahme der SMS zu den Ergebnissen der Modellvorhaben Akupunktur
***********

In den letzten beiden Wochen wurden durch die Medien, speziell im "Der Spiegel", die
Ergebnisse der GERAC-Studie polemisch dargestellt. Neben der Aussage "Akupunktur ist
besser als Schulmedizin" war vor allem zu lesen, "dass es völlig egal ist, wohin man
sticht".

Es erscheint notwendig, sich die Studienlage nochmals differenzierter zu
vergegenwärtigen:

Studienlage
Die Studienlage ist komplex, die Ergebnisse zum Teil widersprüchlich, außer Experten
kaum jemand im Detail bekannt. Deshalb zunächst: Es gibt 3 große Modellversuche:
- Im Rahmen des Modellvorhaben der AOK und einiger : BKK's und IKK's wurden  mit den
GERAC (German Acupuncture Trial) vier randomisierte kontrollierte Studien (RCT)
durchgeführt, insgesamt mit z. T. mehr als 1000 Patienten pro Gruppe, je für
Knieschmerzen, Rückenschmerz, Migräne und Spannungskopfschmerz. Verglichen wurden
"Akupunktur nach teilindividualisiertem Schema, eine Sham-Akupunktur an
Nicht-Akupunktur-Punkten und die jeweilige, als Standard geltende Schulmedizinische
Therapie. Studienärzte waren meist Orthopäden mit mindestens 140 Stunden
Grundausbildung. Hier wurden jetzt erste Ergebnisse zu den Indikationen LWS und
Gonartrhose publizistisch vermarktet und sind im Internet einzusehen (www.gerac.de).
- Im Rahmen der Modellvorhaben der Ersatzkassen (v.a. AOK und DAK) und der TK wurden
die ART-Studien (Acupuncture Randomized Trials) durchgeführt: Für  o.g. Indikationen
wurden hier 3 Gruppen in den Studien verglichen: Verum-Akupunktur (
teil-standardisiert), Minimal-Akupunktur (Punkte, nicht-druckdolent an
Nicht-Akunpturpunkten) und eine Wartelistengruppe (diese erhielten nach 8 bzw. 12
Wochen Verum-Akupunktur), insgesamt wurden ca. 1200 Patienten in den vier Studien
behandelt. Die Ergebnisse von drei Studien (nicht zum Spannungskopfschmerz) wurden
im Herbst 2004 auf Kongressen vorgestellt und werden bald publiziert sein.
- Modellvorhaben der TK und der dem Modellvorhaben beigetretene Kassen: Zusätzlich
gibt es noch die ARC-Studien (Acupuncture in Routine Care), die Akupunktur als
Mittel in der Regelversorgung untersuchte und zusätzlich zu den drei vorgegbenen
Diagnosendie Indikationen Dysmenorrhö, Allergie, Asthma, HWS-Syndrom, insgesamt
damit 7 Krankheitsbilder beinhaltet.Weiter die "Sicherheiststudien" (ASH,
Acupuncture Safety and Health Care) mit dem Ziel, sozio-ökonomische und verlässliche
Daten zur Sicherheit zu gewinnen. Dies sind sicher die umfangreichsten Studien
weltweit zur Akupunktur, die jemals durchgeführt wurden.

Ergebnisse
Was ist eigentlich bisher herausgekommen?
- in den bisher präsentierten drei ART-Studien war die Verum-Akupunktur der
Warteliste immer deutlich und signifikant überlegen
- in der ART-Studie war bei der Indikation Gonarthrose die Verum-Akupunktur der sog.
Minimal-Akupunktur bezüglich des Hauptzielparameters (HZP) gemessen nach 8 Wochen
signifikant überlegen, bei der Indikation LWS-Schmerzen war diesbezüglich des HZP
tendenziell besser, aber nicht signifikant, bei der Indikation Migräne fand sich
kein Unterschied zwischen Verum- und Minimal-Akupunktur bezüglich des HZP.
- in beiden bisher präsentierten GERAC-Studien (LWS-Schmerz und Gonarthrose) waren
jeweils die Verum- und die Sham-Akupunktur der Standardtherapie signifikant
überlegen. Die Verum-Akupunktur war tendenziell wirksamer als die Sham-Akupunktur,
dieser Unterschied war aber nicht signifikant.
- Akupunktur wirkt und ist bei Gonarthrose und Rückenschmerzen der Standardtherapie
überlegen, bei der Migräne sind die Effekte  im indirekten Vergleich mit der
Standardtherapien gleichwertig
- Die Spezifität der Akupunkturpunkte ist weder belegt noch widerlegt und muss durch
andere Untersuchungen und objektive Methoden weiter untersucht werden
- In der ART-Studie, in der im Durchschnitt höher qualifizierte Ärzte teilnahmen,
deutet sich an, dass die Ergebnisse besser waren, was für die Notwendigkeit einer
guten Ausbildung sprichen könnte

Studienkritik:
Die Studien waren mit großem Aufwand und methodologisch korrekt durchgeführt worden.
Bei der Erstellung des Verum- und Minimal-Schemas in den ART-Studien war die SMS
neben der DÄGfA mitbeteiligt, bei GERAC nicht.
Dennoch sind aus Sicht der SMS einige Kritikpunkte angebracht:
- die Verum-Akupunktur war in allen Studien standardisiert bzw. halbstandardisiert.
Dies entspricht nicht einer nach der chinesischen Medizin individualisierten
Therapie.
- die Punktauswahl muss kritisiert werden Ð zumindest was GERAC angeht
- Die Studien wurden von der Krankenkassen initiiert, deren Ziel die Aufnahme der
Akupunktur möglichst kostengünstig für möglichst wenige Indikationen in den
Kassenkatalog ist. Ziel war also nicht eine Spezifität der Punkte, vielmehr nur ob
Akupunktur generell wirkt Ð und mit wenig Aufwand, wenig Ausbildung.
- Ziel der Studien war es, die Wirksamkeit bei den jeweiligen Indikationen zu
prüfen.  In allen Studien fand sich ein Wirksamkeit gegenüber Warteliste bzw.
gegenüber der Standarttherapie. Hingegen war es nicht Ziel der Studien, die
Punktspezifität zu untersuchen. Nur indirekt kann aus den Studienergebnissen über
spezifische und unspezifische Wirkungen spekuliert werden, für die weitere
Untersuchung sind andere Studiendesign notwendig.
- Bei GERAC konnte nachweislich durch die Studienteilnehmer wie durch die
Telefoninterviewer eine Entblindung erfolgen (Literatur)
- es ist bekannt, dass auch die oberflächliche Nadelung von Akupunkturpunkten
deutliche Effekte zeigen. Bestimmte japanische Schulen behandeln nur auf diese Art.
Es muß also in Frage gestellt werden, ob es eine Nicht-Akupunktur (oder Sham oder
Placebo) - überhaupt gibt.
- es ist extrem schwer, Nicht-Akupunkturpunkte zu definieren. Über Netzleitbahnen
können alle Bereiche verbunden sein (dies entspricht auch der Erkenntnis, dass durch
jeden Nadelreiz bereits nozizeptive Impulse ausgelöst werden können).
- in der GERAC-Studie muss geprüft werden, ob nicht durch methodologische Mängel
(Probleme der Arzt- und Patientenrekrutierung, Entlohnung der Patienten, Design) die
Wertigkeit in Frage gestellt werden muss.

Kritische Überlegungen:
In der fachlichen und öffentlichen Diskussion wird vor allem in der Hinsicht negativ
polemisiert, dass "es völlig egal ist, wohin man sticht". Auch uns hat es erstaunt,
dass  es keine eindeutigen Hinweise auf die Spezifität der Akupunkturpunkte
festgestellt werden konnte. Dies sollte auch uns zu einer Diskussion veranlassen.
Hier einige Ideen dazu:
- andere invasive Verfahren, besonders die  Chirurgie (die uns ja offensichtlich als
wirksam erscheint) hat in einigen einfach verblindeten Studien, in denen ein
"Placebo"-Eingriff mit einer "echten" OP verglichen wurde, keine Unterschiede zeigen
können (Literatur).
- das Setting der Akupunktur (intensive Zuwendung, Berühren etc.) erzeugt
möglicherweise einen über einen reinen medikamentösen"Placebo"-Effekt hinausgehenden
Suggestionseffekt (Super-Placebo), der auch bei der Minimalakupunktur nicht
vermeidbar ist..
- Das Design der Studien  waren RCT's, die für Pharmaversuche entwickelt wurden, .
Es bleibt die Frage, welche Studiendesigns in der Akupunktur und anderen
CAM-Methoden sinnvoll die Methode abbilden können und nicht zu Verfälschungen
führen?
- Was macht eine optimale Akupunktur aus? Gibt es verlässliche Zeichen dafür?

Das eine gute und umfassende Ausbildung notwendig ist, daran kann aber kein Zweifel
sein. Akupunktur ist eine manuelle Methode. Je mehr Kenntnis und Erfahrung ein Arzt
hat, desto besser werden die Ergebnisse sein.

Literatur
1. Haake M: Wirksamkeit der Akupunktur bei chronischem Kreuzschmerz. Gerac
Pressekonferenz. www.gerac.de
2. Scharf HP et al: gerac-Gonarthrose-Studie. www.gerac.de
3. Streitberger K et al: Efficiacy and safety of acupuncture for chronic pain caused
by gonarthrosis: A study protocol of an ongoing RCT. BMC Comp and Alern Med 2004. 4:
6
4. Hacke et al: The German Multicenter, RCT of Chronic Low Back Pain: Perliminary
Report onf the Deisgn. Jour Aletrnat Comp Med 9 (5) 2003: 763-770
5. Linde K: Soll Akupunktur erstattet werden? Die 3 Modellvorhaben der GKV. Z ärztl.
Fortb Qual Gesundheitswesen (2004) 98: 467-475
6. Brinkhaus B et al: Acupuncture Randomized Trials (ART) in Patients with Chronic
Low Back Pain and Osteoarthritis of the Knee Ð Disgn and Protocols. Forsch Komp Med
2003; 10: 185-191
7. Melchart D et al: ART in Patients with Migraine and Tension Type  Headache Ð
Design and Protocols. Forsch Komp Med 2003: 10: 179-184
8. Moseley JB, O'Malley K, Petersen NJ, Menke TJ, Brody BA, Kuykendall DH,
Hollingsworth JC, Ashton CM, Wray NP. A controlled trial of arthroscopic surgery for
osteoarthritis of the knee. N Engl J Med. 2002 Jul 11;347(2):81-8
9. Swank DJ, Swank-Bordewijk SC, Hop WC, van Erp WF, Janssen IM, Bonjer HJ, Jeekel
J. Laparoscopic adhesiolysis in patients with chronic abdominal pain: a blinded
randomised controlled multi-centre trial. Lancet. 2003 Apr 12;361(9365):1247-51
10. Modellvorhaben Akupunktur: Erste mündliche Ergebnisse aus der begleitenden
Forschung. Deut Zeitsch f Aku 47, 4/2004: 40-42
11. Wettig D: Teilergebnisser der GERAC vorab veröffentlicht Wurden Patienten
vorzeitig entblindet? www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/GERAC/



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