Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
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office@tchrd.org, www.tchrd.org, Pressemitteilung, 23. März 2009
Selbstmord eines Mönches durch Sprung in den Gelben Fluß - 93 Tibeter in
Golog festgenommen
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Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, daß die chinesischen
Behörden am 21. März 95 Tibeter festnahmen, die demonstrierten, nachdem sich
ein tibetischer Mönch durch einen Sprung in den Machu (Gelber Fluß) das Leben
genommen hatte.
Xinhua zufolge hätten die Behörden sechs Mönche verhaftet, während sich 89
bei der Polizeistation am Ort freiwillig gestellt hätten. Von den 95 Tibetern
seien 93 Mönche und zwei Laien gewesen. Die Demonstranten hätten „Polizisten
und Regierungspersonal angegriffen“. Tashi Sangpos Leiche sei noch nicht
gefunden worden.
Wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus
diversen Quellen erfuhr, war es reine Verzweiflung und extreme
Hoffnungslosigkeit, die den 28jährigen Mönch Tashi Sangpo aus der Gemeinde
Gyulgho (chin. Lajong), Bezirk Machen, TAP Golog, Provinz Qinghai, dazu
bewegten, in den Machu Fluß zu springen.
Den dem TCHRD zugegangenen Informationen zufolge wurde Tashi Sanpo seit dem
10. März 2009 in einer örtlichen Polizeistation festgehalten, nachdem
Flugblätter politischen Inhalts und eine verbotene tibetische Nationalflagge
in seinem Zimmer konfisziert worden waren. Am 21. März um etwa 15.00 h holte
er sich Erlaubnis zu einem Toilettengang (Toiletten befinden sich in Tibet
meist außerhalb von Gebäuden). Er rannte dann zum nahegelegenen Machu und
sprang hinein.
Kurze Zeit nach Tashi Sangpos Verzweiflungstat strömten mehrere Tausend
Mönche und ortsansässige Tibeter zusammen und demonstrierten auf den Straßen
von Ragya, vor der Polizeistation und den Verwaltungsgebäuden, sie riefen
Parolen wie „Bod gyalo“ (Tibet sei Sieg) und weinten bitterlich. Einigen
Quellen zufolge hätten sie auch „Unabhängigkeit für Tibet“ und „Lange lebe
der Dalai Lama“ gerufen.
Das Kloster Ragya steht seit dem 10. März unter strenger Bewachung, als
politische Schriften dort gefunden wurden und einige Mönche die chinesische
Flagge vom Dach der Versammlungshalle herunterholten und statt ihrer eine
tibetische Nationalflagge hißten.
Daraufhin wurden der Disziplinmeister des Klosters Ragya, Palden Gyatso,
sowie vier weitere Mönche festgenommen. Die Lage im Kloster Ragya und den
umliegenden Ortschaften ist sehr angespannt. Innerhalb kurzer Zeit trafen
sieben Militärlastwagen voller Sicherheitskräften aus Xining, der
Provinzhauptstadt von Qinghai, ein, um die aufgebrachte Menge unter Kontrolle
zu bringen.
Gegenwärtig sind die Tibeter in Tibet nicht in der Lage, auch nur die
grundlegendsten Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte festgeschrieben sind, wahrzunehmen. Das TCHRD ersucht daher
dringend die internationale Gemeinschaft, sofort Schritte zu unternehmen, um
die Würde des tibetischen Volkes zu schützen.
[Free Tibet, London, erhielt weitere Informationen von einem in London
lebenden Mönch des Klosters Ragya, der Kontakte zu der Gegend hat:
Augenzeugen, die gerade auf einer Brücke über den Machu standen, sahen, wie
der Körper Tashi Sangpos von der reißenden Strömung des Flusses weggetrieben
wurden und verloren ihn kurz danach außer Augen. Seine Leiche wurde bisher
nicht gefunden. Der jüngere Bruder von Sangpo traf um etwa 16 Uhr vor der
Polizeistation ein, bei der schon viele Menschen zusammengelaufen waren. Die
Menge der Tibeter sei größer gewesen als die Zahl der Sicherheitskräfte, die
vorerst in der Polizeistation blieben. Die Demonstranten waren sehr
aufgebracht, denn ihrer Ansicht nach war der Sprung in den Fluß der einzige
Ausweg für Sangpo, um den fürchterlichen Schlägen und Mißhandlungen zu
entgehen, die ihm in der Haft verabreicht wurden. Viele glauben, daß er
Selbstmord beging, obwohl nicht sicher ist, ob das wirklich Sangpos Absicht
war, als er in den Fluß sprang.]
Bilder von Tashi Sangpo und vom Kloster Ragya, siehe: www.tchrd.org oder
www.tibet.net.
Übersetzung: Adelheid Dönges
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