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Presse / Aktuelles

Artikel "China läßt im Kreis Chushul 32 Mönche des Klosters Ratoe festnehmen" vom 12.05.2008

"Old women from Lhasa", ein ergreifendes Video des VTD, das
weiterempfohlen werden kann: http://www.youtube.com/watch?v=vXx_VjLHlQM
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Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P.,
India
Phone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org
Pressemitteilung, 9. Mai 2008
Kontaktperson: Tenzing Norgay (Englisch) / Jampa Monlam (Tibetisch und
Chinesisch)
Tel: +91 1892 223363 / 229225

China läßt im Kreis Chushul 32 Mönche des Klosters Ratoe festnehmen
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Nach zuverlässigen dem TCHRD zugegangenen Informationen werden im
Haftzentrum des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) von Chushul immer
noch 32 Mönche aus dem Kloster Ratoe festgehalten.

Nach übereinstimmenden Aussagen aus verschiedenen Quellen organisierten
die Mönche des Klosters Ratoe in der Gemeinde Nyethang im Bezirk Chushul,
der zum Bezirk Stadt Lhasa in der "Autonomen Region Tibet" ("TAR") gehört,
am 14. März 2008 einen friedlichen Protestmarsch.

Dabei handelte es sich zunächst um einen Protestmarsch von Mönchen aus dem
Kloster Ratoe, aber bald schlossen sich ihm auch normale Bürger an. Die
Demonstranten marschierten ungefähr zweieinhalb Kilometer in Richtung auf
die zentrale Gemeindeverwaltung und riefen dabei "Freiheit für Tibet",
„Unabhängigkeit für Tibet" und "Lang lebe der Dalai Lama".

Als sich die Demonstranten dem Hauptgebäude der Gemeindeverwaltung
näherten, wurden sie von chinesischen Sicherheitskräften angehalten und
daran gehindert, weiterzugehen. Die friedliche Demonstration wurde
aufgelöst und alle wurden nach Hause geschickt. Zu dieser Zeit wurden noch
keine Demonstranten festgenommen.

Später jedoch tauchten Behördenvertreter im Kloster Ratoe auf und
kurbelten intensive Schulungskurse zur "patriotischen Umerziehung" gegen
das an, was die Behörden als "Übergriffe der Dalai Clique und
separatistischer Kräfte" auf das Klosterleben bezeichnen. Diesmal übten
die Behörden wiederholt heftigen Druck auf die Mönche aus, sich vom Dalai
Lama loszusagen. Offensichtlich gab aber kein Mönch nach und keiner
unterschrieb den von den Behörden vorbereiteten Text.

Am 16. April nahmen die Ereignisse dann eine überraschende Wendung, als
morgens um 4.30 Uhr (Pekinger Normalzeit) Hunderte chinesischer
Sicherheitskräfte, bestehend aus Einheiten des Büros für Öffentliche
Sicherheit (PSB) und der Bewaffneten Volkspolizei (PAP), das Kloster Ratoe
umstellten. Kurze Zeit später stürmten sie das Kloster und durchsuchten
die Unterkünfte der Mönche nach Waffen und anderen belastenden
Materialien.
Bei dieser Razzia wurden jedoch keine Gewehre oder andere Waffen, noch
sonstiges belastendes Material in den Unterkünften der Mönche gefunden.
Die Sicherheitskräfte konfiszierten bei ihrer Durchsuchung die Fotos des
Dalai Lama und Mobiltelefone.

Anschließend nahmen sie 50 Mönche aus dem Kloster Ratoe wegen Teilnahme an
dem Protestmarsch vom 14. März 2008 fest. Sie wurden im Haftzentrum des
PSB in Chushul festgehalten. Inzwischen sind 18 der festgenommen Mönche
wieder freigelassen worden. Gegenwärtig sind noch 32 Mönche im Haftzentrum
des PSB in Chushul inhaftiert. Die meisten der verhafteten Mönche sind
nicht viel älter als 20 Jahre. Ein ehemaliger politischer Gefangener,
Namkar, 45, befand sich auch unter den Festgenommenen. Er hatte früher
eine zweijährige Freiheitsstrafe im Drapchi-Gefängnis wegen seiner
Teilnahme an den Unabhängigkeitsunruhen in Lhasa 1989 abgesessen. Es
entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß einer der Festgenommenen als der
38 Jahre alte Thupchok identifiziert wurde, der ein prominentes "Mitglied
des Arbeitsteams" des Demokratischen Verwaltungskomitees (DMC) im Kloster
Ratoe ist. Als solches war er unmittelbar für die Durchführung der
umstrittenen und weitgehend abgelehnten Kampagne zur "patriotischen
Erziehung" in seinem Kloster verantwortlich.

Augenblicklich soll sich die Situation im Kloster beruhigt haben, aber es
herrschen viele Einschränkungen. Es sollen sich noch 90 Mönche im Kloster
Ratoe befinden. Die chinesischen Behörden haben den 32 festgenommenen
Mönchen jegliches Besuchsrecht verweigert. Es gibt demnach keine weiteren
Informationen über ihre Haftbedingungen und ihr Wohlergehen.

Das Zentrum bringt seine tiefempfundene Besorgnis über die fortgesetzten
Festnahmen von Mönchen zum Ausdruck, deren einziges „Verbrechen“ darin
bestand, friedlich ihre Beschwerden vorgebracht zu haben. Die Verfassung
Chinas garantiert seinen Bürgern das Recht zur freien Meinungsäußerung.
Das TCHRD ist davon überzeugt, daß die Mönche aus dem Kloster Ratoe nicht
gegen die Landesgesetze verstoßen und irgendeine Aktion ausgeführt haben,
welche die chinesische Verfassung untergräbt. Das TCHRD appelliert
folglich an die chinesischen Behörden, alle festgenommenen Mönche sofort
freizulassen und eine schnelle Wiederherstellung des normalen
Klosterlebens in Ratoe sicherzustellen. Das TCHRD appelliert gleichfalls
and die UNO und die dafür zuständigen internationalen Gremien, sich
unverzüglich für die Freilassung der festgenommenen Mönche einzusetzen.

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Aus Tsering Woesers Internet-Tagebuch 1. Mai 2008
http://chinadigitaltimes.net/2008/05/woeser-tibet-update-may-1-2008/

„Die neueste Nachricht: Am 3. Mai werden zwei Sondergesandte des Dalai
Lama, Gyari Lodi Gyaltsen und Kesang Gyaltsen zu ihrer Reise nach China
aufbrechen, wo sie mit der chinesischen Seite Gespräche über die
derzeitige Lage und die Zukunft Tibets führen werden.

Die Ansicht der Tibeter in China hierzu ist folgende: Die Chinesische
Kommunistische Partei (CCP) möchte den Dalai Lama benutzen, damit sich die
Aufregeung über die Tibetfrage wieder legt und Ruhe eintritt bei den
vielfältigen innenpolitischen Problemen und der Bedrohung der Olympischen
Spiele durch die internationale Gemeinschaft. Diese sogenannten ‚Gespräche
und Konsultationen’ zu führen, die dazu nötig sind, dient als eine Art
Beruhigungsmittel für China und einige Länder der westlichen Welt. Als
das, was in diesem Konflikt für die Übereinstimmung der Parteien
miteinander zu sorgen hat, sollten sie keinen Verhandlungspartner
bevorzugen, doch die gegenwärtigen sino-tibetischen Gespräche sind rundum
tendenziös. China handelt dabei einzig und allein in dem Bestreben, den
Druck der westlichen Länder zu vermindern und sich selbst in ein gutes
Licht zu rücken. Der Dalai Lama wartet seit März auf eine Gelegenheit, um
über die Hintergründe der jüngsten Proteste in Tibet diskutieren und sie
erklären zu können, doch die Chinesische Kommunistische Partei hat ihr
Urteil über die Ereignisse schon längst gefällt und der Welt mitgeteilt.
Deshalb werden diese Gespräche kaum ein greifbares Ergebnis bringen.

In Lhasa haben die Behörden nun den Anschein von Harmonie geschaffen. Die
vielen Soldaten haben ihre Uniformen abgelegt und sich wie Touristen
gekleidet, und so laufen sie nun überall herum. Die Soldaten, die
Kontrolldienste versahen, legten nun Polizeiuniformen an. Ein und derselbe
Mann kann sich also je nach Bedarf in einen Soldaten, einen bewaffneten
Volkspolizisten oder einen gewöhnlichen Polizisten verwandeln. Die
Behörden erwecken auch den falschen Eindruck, daß bei der
Religionsausübung Freiheit herrsche. Während manche Arbeitseinheiten ihre
Angestellten anwiesen, in Ausübung ihrer Dienstpflicht nun den Potala
Palast zu umwandeln, ermutigten die Nachbarschaftskomitees die Leute, die
rituelle Kora (Umwandlung) der Tempel vorzunehmen und im Kloster Sera, das
auf Anordnung der Behörden wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist, den
religiösen Statuen zu huldigen. Die Leute werden dafür noch mit Prämien
belohnt. Wir haben erfahren, daß in Kürze eine weitere Gruppe
Journalisten, darunter auch ausländische Medienvertreter, Lhasa besuchen
wird. Um ihnen zu zeigen, daß die Bürger in Tibet das Recht auf
Demonstrationsfreiheit genießen, werden manche Arbeitseinheiten ihre
Angestellten anweisen, Demonstrationen abzuhalten, bei denen es jedoch nur
um triviale Angelegenheiten gehen wird."

Dr. med. Ingfried Hobert

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