Presse / Aktuelles Artikel "400 Mönche des Klosters Sera verhaftet" vom 01.05.2008
400 Mönche des Klosters Sera verhaftet
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Etwa 40 Lastwagen mit Angehörigen der chinesischen Polizei und der Armee
fuhren am 18. April gegen 3 Uhr Ortszeit in den Norden von Lhasa, wo sich
das Kloster Sera befindet. Nach Angaben aus verläßlichen Quellen gingen
Polizei und Armee im Wohntrakt der Mönche von Sera von Tür zu Tür und
verhafteten die Bewohner. Bei Mönchen, die sich weigerten, dem Befehl zum
Öffnen der Tür nachzukommen, wurden Fenster und Türen gewaltsam
aufgebrochen und die Mönche festgenommen. Schätzungsweise 400 Mönche wurden
verhaftet, die meisten von ihnen in Nachtbekleidung. Es fiel auf, daß ihnen
lebensnotwendige Nahrungsmittel verweigert worden waren, da viele Mönche
gesundheitlich in sehr schlechter Verfassung waren. Von den insgesamt 700
Mönchen blieben nach den Verhaftungen der letzten Tage im Kloster Sera nur
ca. 100 Novizen und alte Mönche übrig.
Die oben genannten Verhafteten wurden noch in der Nacht in das Gebiet
Toelung gebracht und dort in einer Ziegelei zusammengeschlossen. Die schon
früher festgenommenen Mönche aus dem Kloster Drepung sind in einer
versteckten Höhle im Gebiet Nyethang untergebracht worden.
Am 17. April wurden 20 Mönche des Klosters Tsang in Gepa Sumdo, TAP Tsolho
in Amdo (Qinghai) festgenommen. Von diesem Kloster sind bislang mindestens
57 Mönche verhaftet worden.
Ein weiterer, bislang noch unbekannter Fall ist die Verhaftung des
Schauspielers Dabhe aus Amdo, die am 31. März erfolgte. Er wurde
beschuldigt, in großer Zahl tibetische Nationalflaggen und Fotos des Dalai
Lama verbreitet zu haben. Auch Ngagchang Tsibha aus dem Bezirk Chentsa,
der, nachdem er längere Zeit in den Bergen verbracht hatte, am Abend des
18. April nach Hause zurückkehrte, wurde am Morgen des 19. bei der
Morgentoilette verhaftet.
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Pressemitteilung, 20. April 2008
Die Absurdität der chinesischen Umerziehungskampagne
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Zuverlässigen Quellen zufolge widersetzten sich zahlreiche Mönche des
Klosters Wara, Bezirk Jomda, Präfektur Chamdo, der „Patriotischen
Umerziehung“ und flohen in die nahegelegenen Berge oder aufs Land. Bisher
hat sich keiner von ihnen gestellt, obwohl an mehrere diesbezügliche
Aufforderungen ergingen. Die restlichen 50 Mönche, die im Kloster geblieben
waren, weigerten sich trotz Todesdrohungen, Seine Heiligkeit den Dalai Lama
zu schmähen.
Seit dem 12. April werden Klostervorsteher aus 18 Distrikten der Präfektur
Kardze aufgefordert, sich zu einer mehrtägigen „Patriotischen Umerziehung“
einzufinden. Sie erklärten den Funktionären, derartige Zwangskampagnen
seien kontraproduktiv. Die bei diesem Treffen anwesenden Beamten stimmten
ihnen zu. Daher gelang es den Behörden vorerst noch nicht, Unterschriften
gegen die Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama zu erzwingen.
Am 17. April befahlen die Behörden des Bezirks Lithang den lokalen Äbten,
in ihren jeweiligen Klöstern die chinesische Fahne zu hissen. Die Äbte
erwiderten, die Behörden hätten zwar die Macht, das anzuordnen, müßten aber
dann auch für alle daraus resultierenden Unruhen in den Klöstern die
Verantwortung übernehmen. Sie forderten daher eine entsprechende Anweisung
an die Klöster in schriftlicher Form. Das Hissen der chinesischen Flagge
auf tibetischen Klöstern wurde zum ersten Mal am 12. April in Kham
angeordnet und wurde danach in weiteren Gebieten Tibets einschließlich der
TAR verfügt.
Um den 15. April ordneten Behördenvertreter in Gulog Shiba in Nyagchu Dzong
[Präfektur Kardze, A.d.Ü.] eine Unterschriftenkampagne an, bei welcher der
Dalai Lama bezichtigt werden sollte, die jüngsten friedlichen
Demonstrationen in Tibet angezettelt zu haben. Daraufhin verließ der
Tibeter Gyaltsen den Raum, und mehrere seiner Landsleute folgten ihm.
Am frühen Nachmittag des 18. April wurde ein Sonderkontingent des Militärs
ins Kloster Rongpo Gonchen [Bezirk Rebkong, Amdo] verlegt. Etwa 430 Tibeter
wurden verhaftet. Bei der Haussuchung wurden die Portraits Seiner
Heiligkeit und die Computer beschlagnahmt. Die verhafteten Mönche wurden
brutal geschlagen, die angeblichen Rädelsführer der Proteste mit Draht
gefesselt und in Fahrzeuge geworfen, mit denen sie unter unmenschlichen
Umständen abtransportiert wurden.
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Pressemitteilung, 21. April 2008
Massenfestnahmen von Mönchen aus zahlreichen Klöstern - Gefängnisse
überfüllt
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Am 17. April wurden acht Novizen aus dem Kloster Nalanda im Kreis Phenpo
Lhundup, Bezirk Lhasa, festgenommen. Am Abend des 15. April wurden 18
Mönche aus dem Kloster Shitsang Gatsel, Bezirk Luchu, TAP Kanlho,
verhaftet; vier weitere am 16. April. Am Morgen des 14. verhafteten
Fahndungstrupps drei Mönche aus dem Kloster Choephel Tashi Choekhor Ling im
Bezirk Chone, TAP Kanlho, Provinz Gansu. Die Gesamtzahl der Verhafteten aus
diesem Kloster stieg damit auf 200 Mönche.
Wie bereits berichtet, wurden auch zahlreiche Mönche aus dem Kloster Rongpo
Gonchen in Rebkong, TAP Malho, Provinz Qinghai, verhaftet. Dieses Kloster
wurde zum Zentrum der Proteste in der Region erklärt, weshalb die
Bewegungsfreiheit der Mönche und der Bevölkerung stark eingeschränkt wurde.
Weitere Einheiten in schwarzen Uniformen, die am 17. und 18. April in das
Gebiet verlegt wurden, wurden als Angehörige der Grenzschutztruppen aus der
Provinz Hunnan identifiziert.
Infolge der massenhaften Verhaftungen sind die Gefängnisse in Tibet total
überfüllt. Zahlreiche Inhaftierte wurden deshalb in andere Regionen Tibets
oder sogar Gefängnisse im chinesischen Kernland verlegt. Mehrere
festgenommene Tibeter wurden wieder freigelassen. Auf Grund der brutalen
Mißhandlungen und der Hungerrationen, die sie in den Gefängnissen
erhielten, ist ihre Gesundheit sehr angegriffen. Ferner mußten alle
Verhafteten Geldstrafen von mehreren tausend bis mehreren zehntausend Yuan
bezahlen, bevor man sie aus der Haft entließ.
Erst jetzt erfuhr man, daß am 18. März einige Mönche aus dem nördlichen
Taklung-Kloster im Kreis Phenpo Lhundup eine friedliche Demonstration vor
dem Verwaltungsgebäude des Kreises Dhamshung, Bezirk Lhasa, unternahmen.
Einzelheiten darüber sind nicht bekannt.
Angesichts der kritischen Situation in Tibet appellieren wir an die
Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, sich dringend
unserer folgenden Forderungen anzunehmen:
1) unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zu
entsenden;
2) unverzüglich der freien Presse Zugang zu ganz Tibet zu gewähren;
3) unverzüglich dem brutalen Morden in ganz Tibet ein Ende zu setzen;
4) unverzüglich für die sofortige Freilassung aller festgenommenen und
verhafteten Tibeter zu sorgen;
5) unverzüglich die medizinische Versorgung der verletzten Tibeter zu
ermöglichen;
6) die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit der Menschen und ihren Zugang zu
lebensnotwendigen Gütern sicherzustellen.
Dr. med. Ingfried Hobert
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