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Presse / Aktuelles

Artikel "Verschärfung der Repressionen in Tibet - Klöster müssen chinesische Flagge " vom 24.04.2008

Radio Free Asia, www.rfa.org
17. April 2008

Verschärfung der Repressionen in Tibet - Klöster müssen chinesische Flagge
hissen
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Im Anschluß an die größten antichinesischen Proteste in Tibet seit fast 50
Jahren geht China immer schärfer gegen die Tibeter vor. Wie Quellen in
Indien und China berichten, weigern sich dennoch viele Mönche, die
chinesische Fahne auf den Dächern ihrer Klöster aufzuziehen.

Aus der entlegenen Provinz Qinghai war zu erfahren, daß letzte Woche die
tibetische Feministin und Autorin Jamyang Kyi sowie fünf weitere prominente
Tibeter aus der Region verhaftet wurden. Letztere stammen alle aus dem
Bezirk Machen (chin. Maqin) in der Präfektur Golok (chin. Golog) und werden
gegenwärtig in der Provinzhauptstadt Xining festgehalten.

Es handelt sich um Golog Dape, den beliebten Schauspieler und Chef des
Gangchen-Ensembles und Tierrechtsaktivisten; Dolma Kyi, die Sängerin,
Aktivistin und Gründerin der Volksmusikgruppe Gangchen Metok; Palchen Kyab,
den Direktor und Gründer der privaten, durch Spenden von Nomaden
finanzierten Mayul Dargye-Schule; Lhundrup, den stellvertretenden Direktor
dieser Schule, und den Lehrer Sonam Dorje.

Die fünf wurden am 31. März von Staatssicherheitsbeamten von Golok in
Gewahrsam genommen und nach Xining gebracht. Es liegen keine Informationen
über die gegen sie vorgebrachten Anklagen vor. Aus einer Quelle in
West-Qinghai verlautete: "Keiner von ihnen durfte Besuch von seinen
Angehörigen bekommen".

Ein Vertreter des Public Security Bureau von Golok verweigerte jeden
Kommentar und verwies an seinen Vorgesetzten, der jedoch ebenfalls keine
Auskunft gab und den Hörer auflegte.
Dem TCHRD zufolge wurden am 17. April im Bezirk Rebkong (chin. Tongren
Xian) 100 Personen verhaftet, unter ihnen befanden sich auch Mönche aus dem
Kloster Rong Gonchen.

Ein Hotelangestellter sagte dem kantonesischen Dienst von RFA, Touristen
sei der Besuch des Rong Gonchen-Tempels nicht mehr gestattet. Ein
Bediensteter des Büros für religiöse Angelegenheiten meinte: "Wir haben
Einheiten der PAP hier."

Weiter sagte er: "Es sind nicht viele PAP-Beamte, aber zahlreiche andere
Polizeikräfte. Im Moment kann niemand das Kloster betreten. Die anderen
Klöster sind nicht betroffen". Regionalbehörden und Polizei hüllten sich in
Schweigen.

In der Provinz Sichuan leben ebenso wie in Qinghai zahlreiche Tibeter. Aus
wohlinformierter Quelle wurde auch über Durchsuchungen im Kloster Palyul in
Kardze (chin. Ganzi) berichtet, bei denen nach Beweisen für antichinesische
Aktivitäten gefahndet wurde.

Ein Zeuge berichtete am 16. April: "Heute kam die Polizei ins Kloster - es
waren auch tibetische Beamte darunter - und durchwühlte alles. Sie fanden
ein Foto des Dalai Lama und zogen es ein. Außerdem bestanden die Chinesen
darauf, daß die chinesische Nationalflagge auf dem Dach des Haupttempels
gehißt würde. Das Kloster ging darauf aber nicht ein."

Traditionell wehen auf den Klöstern in Tibet ausschließlich buddhistische
Dharmafahnen.

Wie der Mönch Lobsang Gyaltsen aus dem Kloster Drepung in Indien
berichtete, wurde den Mönchen, die am 12. April zu einer Versammelung nach
Dartsedo (chin. Kangding) in Kardze zitiert wurden, befohlen, daß sie von
nun an auf jedem tibetischen Kloster in der Präfektur Kardze die
chinesische Nationalflagge aufziehen müssen. In Kardze gibt es über 200
Klöster.

Er sagte: "Alle buddhistischen Mönche und Nonnen in dieser Gegend wurden
angewiesen, sich dieser Maßnahme anzuschließen. Außerdem wurde von ihnen
gefordert, ein Schriftstück zu unterschreiben, in dem die tibetische
Regierung-im-Exil, der Dalai Lama sowie die Proteste in Lhasa, die China
zum Schaden gereicht hätten, verurteilt werden“.

Vor allem aber wurde angeordnet, daß die Klöster die chinesische Fahne zu
hissen hätten und die Mönche und Nonnen darunter China ihre Loyalität und
Akzeptanz geloben und den Dalai Lama sowie die tibetische Regierung-im-Exil
für die Unruhen in den tibetischen Regionen verantwortlich machen müßten.
Ferner sollten sie den Dalai Lama als Separatisten verurteilen. Viele
Mönche weigerten sich, das zu tun."

Ein Beamter des Büros für religiöse Angelegenheiten von Kardze wollte den
Befehl zum Hissen der Fahnen nicht ausdrücklich bestätigen, meinte aber in
einem Telefongespräch mit dem kantonesischen Dienst von RFA: "In China ist
es normal, daß wir die Nationalflagge hissen."

Mehrere chinesische Einwohner gaben an, daß inzwischen auf allen Tempeln in
Kardze die chinesische Fahne wehe. Ein Einwohner sagte dem Mandarin-Dienst
von RFA: "Überall sind Nationalflaggen zu sehen."

Die Angehörigen des Ausschusses für Minoritäten und religiöse
Angelegenheiten in Lhasa verweigerten jeden Kommentar. Einer von ihnen
fragte: "Woher haben Sie diese Information? Belästigen Sie uns doch nicht
mit so etwas!"

"Äbte und reinkarnierte Lamas aus 43 Klöstern im Bezirk Sershul (Kardze)
wurden am 26. März ins Bezirksbüro für religiöse Angelegenheiten
einbestellt und erhielten dieselben Anweisungen", berichtete jemand
anderes.

Auch den Mönchen im Kloster Kham Draggo (Luhuo) in Kardze wurde befohlen,
die chinesische Fahne zu hissen. Ferner sollten sie ihre Beteiligung an den
antichinesischen Protesten bereuen. Sie weigerten sich jedoch.

Einer anderen Quelle zufolge wurden PAP-Kräfte in die Stadt Nyarong (chin.
Xinlong) in Kardze verlegt, nachdem die Einwohner sich geweigert hatten,
den Dalai Lama zu schmähen. Die Mönche im Kloster Shiwa haben chinesische
Fahnen gehißt.

Wie aus einer anderen Quelle hervorgeht, wurden drei von 62 Klöstern in
Jomda (chin. Jiangda), Präfektur Chamdo (chin. Changdu), Autonome Region
Tibet (TAR), gezwungen, an Schulungen zur „Patriotischen Umerziehung“
teilzunehmen, bei der sie den Dalai Lama zu verurteilen haben.

Eine weitere Quelle gab an, daß am 11. April Kader und Polizisten im
Kloster Dzigar in Chamdo eintrafen, um dort ebenfalls eine „Patriotische
Umerziehung“ durchzuführen. Die Mönche in Wara und Sungdar hätten die
Teilnahme verweigert. Es ist nicht bekannt, welche Folgen dies für sie
hatte.

Peking spricht von 19 Toten bei den Unruhen, die Mitte März in Lhasa
ausbrachen und sich von dort in die anderen tibetischen Gebiete
ausbreiteten. Tibetischen Quellen zufolge soll es eine große Anzahl von
Toten gegeben haben, als die paramilitärischen Truppen und die Polizei das
Feuer auf die Demonstranten eröffneten.

Die chinesischen Behörden haben den Dalai Lama bezichtigt, die Tibeter zu
den Protesten aufgehetzt zu haben und die tibetische
Unabhängigkeitsbewegung zu fördern. Der Dalai Lama weist diese
Beschuldigungen zurück und betont, er wolle für die Tibeter lediglich
Autonomie und die Einhaltung der Menschenrechte.

Dr. med. Ingfried Hobert

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